[FOOD] Wie ein Fehler zum nächsten führte…
Wir waren vor langer Zeit einkaufen (ein paar Sachen für den Urlaub und Mini-Eskalationen bei Büchern und Filmen) und wollten im Anschluss gerne marokkanisches Essen ausprobieren (inzwischen ist das Ganze wirklich schon länger her – wollten diese Food-Lebensanekdote aber mit euch teilen).
Ich träume schon länger davon, einmal einen Marokko-Urlaub zu machen – aber mit Corona und co. ergibt sich das leider eher nicht so schnell.
Aber daher doch die gelungene Idee sich Marokko zumindest magentechnisch nach Hause zu holen.
Laut Speisekarten-Zeitenangabe der Homepage öffnet das Lokal um 15 Uhr. Also hatten wir Shopping entsprechend zeitlich koordiniert und standen pünktlich um 15:15 vor dem Lokal.
Dann leider der Schock…
Das Lokal hat noch zu und sperrt wohl erst um 17 Uhr auf (wie wir dann später gesehen habe, steht dies auch auf der Homepage – aber nicht auf der Speisekarten-Seite, die wir angeschaut hatten). Hunger ist aber leider schon groß.
Da muss eine schnelle Alternative her…
3 Häuser weiter gibt es einen Perser mit vielversprechendem Namen „Zimt“ – schaut von außen vielleicht etwas seltsam aus mit Essensbildern als Banderole unten am Fenster – aber der Hunger siegt und so betreten wir das Lokal….
Kellnerin und Besitzer?/Koch schauen uns mal beide verwundert an als wir reinkommen – ein wenig als ob sie es nicht gewöhnt sind Gäste zu haben.
Wie an der Werbetafel außen beschrieben gibt es zum Glück einen Gastgarten.
Etwas eigentümlich gibt es dort Sitzmöglichkeiten mit niedrigen Tischen zum Knien, aber auch wild zusammengewürfelte normale Sitzgarnituren.
Um unsere Knie zu schonen entscheiden wir uns für letzteres. Außer uns sind im gesamten Lokal noch 2 andere Gäste, die hier wohl nur Eis gegessen haben, wenn man nach dem Geschirr geht.
Beim Tisch kommen wir schon zum ersten Faktor, der mich leider ein wenig gestört hat. Tischdecke war eine dicke Decke aus Polyester, die furchtbar gekratzt hat.
Aber gut, verzichten wir aufs Arm ablegen eben etwas und lassen uns noch nicht vom ersten Eindruck irritieren.
Die verwunderte Kellnerin hat sich inzwischen ein wenig erholt und bringt uns die Karten und verlässt uns daraufhin gleich wieder.
Während wir die Karte durchstöbern wundern wir uns ein wenig, dass keiner nach den 3G gefragt hat (bei Martin war die 1te Impfung schon 22 Tage her und ich hatte extra getestet am Morgen – Spoiler vorweg – die Frage kam nie, scheint in diesem Lokal wohl nicht üblich zu sein.
Karte/Bestellung
Leider gibt es in der Karte nicht wirklich eine Auswahl an besonderen Getränken, also entscheiden wir und für Apfelsaft gespritzt und Holundersaft gespritzt.
Die Karte ist generell sehr klein, hat dafür aber einige österreichische Speisen (wie Schnitzel und Gulasch) auf der letzten Seite – was uns ein wenig weiter irritiert.
Zum Glück haben wir schon längst alles ausgesucht, als die Kellnerin nach vielen Minuten wiederkommt.
Wir geben unsere Getränke auf und bestellen gleichzeitig 2 Vorspeisen und 2 Hauptspeisen – zeigen der Kellnerin sogar mit dem Finger welche wir meinen (da wir nicht so gut persisch können).
Im Anschluss stellt uns die Kellnerin die Frage ob wir das alles zweimal möchten oder nur einmal – wir sagen einmal – denn 4 Vorspeisen und 4 Hauptspeisen wären doch etwas viel.
Gewundert haben wir uns schon dort aber ziemlich über die Frage.
die Speisen…
Einige Minuten später kamen 2 Teller an – einmal die Vorspeise Mirsa Ghassemi mit dazu bestelltem Brot und gleichzeitig die Hauptspeise (Spieße von Lamm und Huhn gemischt mit Safranreis).
Wir waren erstmal irritiert, wieso Vorspeise und Hauptspeise parallel gebracht wurden.
Verwundert warteten wir also auf die weiteren 2 Speisen…diese kamen leider nie an – die Kellnerin war auch leider wieder im Innenraum verschwunden und gar nicht da.
Es kam auch keiner um zu fragen ob alles in Ordnung ist oder ob es uns schmeckt.
So aßen wir halt zusammen mal diese 2 Speisen.
Leider haben uns beide nicht wirklich geschmeckt. Die Vorspeise war leider fad (hier sind wir besseres gewohnt).
Die Spieße bei der Hauptspeise waren leider nicht gut gebraten. Das Huhn war teilweise hart an der Grenze zum durch sein und beim Lamm waren sogar mehrere Stücke ihnen noch komplett roh.
Ich – Martin eher weniger – habe normalerweise nichts gegen Medium oder bei Steak vielleicht manchmal sogar Medium rare – aber Fleischstücke am Spieß hab ich doch lieber zumindest halbwegs durch.
Nachdem die Stücke teilweise wirklich noch roh waren innen und die bisherigen Erkenntnisse dieses Restaurants uns auch nicht auf gute Hygiene bzw. perfekte Kühlkette schließen ließen, ließen wir diese übrig – eigentlich schade um das Fleisch.
Auch zum Safranreis möchte ich noch kurz 1 Wort verlieren – er war leider auch fad bzw. wurde hier sehr geizig gewürzt. Generell war nur oben ein kleiner Teil mit Safran gewürzt und der Rest normaler Reis.
Leider war auch das Nan-Brot nicht überzeugend.
unsere Flucht
Nachdem uns diese 2 Speisen schon leider so gar nicht überzeugen, beschlossen wir auf Reklamation, dass eigentlich ja noch 2 Dinge fehlen zu verzichten.
Als die Kellnerin Minuten später (es verging hier leider immer sehr viel Zeit) mit Karte wiederkam um uns Dessert anzubieten, baten wir um die Rechnung.
Nichts wie weg aus diesem Restaurant!
Wir bezahlten (mit wie Martin so sagt dem Negativ-Rekord an gegebenem Trinkgeld seines Lebens) und machten uns so schnell wie möglich davon.
Der noch vorhandene Hunger wurde dann daheim mit Eis gestillt.
Restaurant Safran
Ich möchte hier noch dazusagen, dass wir vielleicht einfach auch verwöhnt waren was persisches Essen anbelangt.
Im Mai waren wir das erste Mal persisches Essen im Restaurant Safran.
Dort war alles sehr gut.
Es gab eine große Getränkeauswahl – mit Rosenwasser-Samen-Mischung und ähnlichem – alles sehr frisch und sehr zu empfehlen.
Ich kann mich nicht mehr an die genauen Vorspeisen erinnern – wir hatten mindestens 2 bestellt um wieder etwas durchzuprobieren. Mirsa Ghassemi – bild ich mir zumindest ein – war auch dabei – nur ist diese Vorspeise im Safran sehr gut – sie war so gut gewürzt und abgeschmeckt – zum reinlegen und irgendwie eben auch etwas ganz besonderes für den Gaumen.
Ich kann mich noch gut an die Hauptspeisen dort erinnern (die Namen hab ich mit Hilfe der Onlinespeisekarte rausgesucht):
Martin hatte Kubideh mit Diamanten – ein Lammspieß kombiniert mit Zitronen-Safranhühnchen – das Huhn wurde hier in kleinen Stückchen in den Lammspieß gesteckt. Dazu gab es auch Safranreis – der dort hervorragend geschmeckt hat.
Ich hatte als Hauptspeise Abgusht. Ein traditionelles persisches Gericht, das im Tontopf serviert wird. Dazu bekommt man einen Stampfer und darf nach dem Genuss der Soße allein (diese wird vom Kellner rausgeleert) den ganzen Inhalt (bestehend aus Lammfleisch, Kichererbsen, Kartoffeln uvm.) zerstampfen.Der nette Kellner hat mir damals zum Glück geholfen, denn ohne Übung ist das gar nicht so einfach.
Das Gericht ist mir nach Monaten immer noch sehr positiv in Erinnerung – v.a. die Komposition der verschiedenen Gewürze, die ja doch etwas anders ist als in der europäischen Küche – war neu und so rund. Es hat einfach perfekt gepasst.
Auch der Service im Safran war damals exzellent. Alle Kellner waren superfreundlich, regelmäßig kam jemand vorbei und fragt ob noch alles okay ist und wir noch etwas trinken möchten.
Bewertung
Wie man vielleicht herausliest, würden wir dem Safran definitiv 10 von 10 Punkten geben. Wir werden dort auch definitiv wieder einmal hinschauen, wenn wir eine Flucht nach Persien brauchen.
Dem Zimt würde ich, so hart es klingt nach all den Fehlern und schon fast dem „Trauma“ (Martins Verdauung hat das Essen dort ziemlich zugesetzt und er war daher lange auf dem WC), das wir dort erlebt haben – maximal 1 Punkt geben und gleichzeitig davon abraten dort zu essen oder zu bestellen.
Fazit
Was wir definitiv daraus gelernt haben ist, zukünftig die Zeiten auf der Homepage von Restaurants genau zu checken und im Zweifel einen Backup-Plan in der Nähe zu haben.
Denn spontan aus großem Hunger gehen wir nicht so schnell mehr wo rein.
Links
Restaurant Safran: https://www.safranfood.com/ (Falls ihr am Wochenende hinschauen wollte, würde ich empfehlen zu reservieren, da dort oft viel los sein kann).
Restaurant Zimt: https://www.zimt-persischesrestaurant.at/ („Karte“ auf der Website ist nicht 100%ig gleich wie die Karte im Lokal)
